Fakultätssaal erhält Kant-Portrait

Im Mai 2025 wurde Herrn Prof. Dr. Konstantin Pollok als Leiter der Kant-Forschungsstelle am Philosophischen Seminar der JGU Mainz aus Privatbesitz ein Portrait Immanuel Kants aus dem Jahr 1794 (Öl auf Leinwand, 70 x 56 cm) angeboten. Nach Bestätigung der Echtheit des Gemäldes durch einen Restaurierungsbetrieb sowie einen Sachverständigen für europäische Gemälde 1550-1800 hat Herr Pollok das Werk aus Mitteln seiner Professur erworben. Von einem Mainzer Handwerksbetrieb professionell verglast und gerahmt, hat Kants Bildnis jetzt im Fakultätssaal Philosophicum einen angemessenen Ort gefunden. Zur Einordnung dieses Portraits und des Portraitierten sagt Herr Pollok:

„Kant hat mit seiner Kritik der reinen Vernunft eine ‚Revolution der Denkungsart‘ angestoßen, die bis heute systematisch diskutiert wird. Noch wirkungsmächtiger ist aber vermutlich seine Begründung der Idee eines demokratischen Verfassungsstaats und seine Forderung nach einer globalen Föderation aller Staaten der Welt, mit der er die Blaupause für den Völkerbund und schließlich die Vereinten Nationen geliefert hat.

Für mich persönlich sind es insbesondere zwei Kantische Ideen, die auch 222 Jahre nach Kants Tod als essenzielle Leitlinien unseres wissenschaftlichen und auch alltäglichen Handelns angesehen werden können: zum einen Kants Aufruf „Sapere aude!“, also sein Appell an den Mut, sich des eigenen Verstandes zu bedienen. Denn dieses Aufklärungsideal gilt angesichts der gerade aufwachenden Künstlichen Intelligenz mit noch deutlich verstärkter Brisanz. Und zum anderen sollten Kants praktische Ideen von Freiheit und Gleichheit – von ihm zusammengefasst im Begriff der Würde des Menschen – die unhintergehbaren Normen unseres Handelns abgeben, die jegliche Formen von Bevormundung und Diskriminierung ausschließen. Unser neues/altes Kant-Portrait symbolisiert dementsprechend seinen Aufruf zu kritischer Reflexion, Selbstbestimmung und wechselseitigem Respekt. Und meine damit verbundene Hoffnung ist, dass sich disziplinenübergreifend die Fachbereiche 05 und 07, in deren Fakultätssaal das Portrait jetzt hängt, und vielleicht sogar alle Personen an der JGU auf diese Kantischen Prinzipien einigen können.“

Neben diesem Neuerwerb ist die JGU bereits seit 1979 im Besitz eines studentischen Stammbuchs, in das Kant sich 1802 mit dem Sinnspruch „Ad poenitendum properat, cito qui iudicat. [Zur Reue eilt, wer schnell urteilt.]“ eingetragen hat, und das zugleich das letzte bekannte Bildnis Kants zu seinen Lebzeiten enthält (https://gutenberg-capture.ub.uni-mainz.de/autographen/download/pdf/995739, S. 38/39).