Aktuelle Lehrveranstaltungen aller Lehrender des Philosophischen Seminars

(PS/HS) Platon, Theaitetos – Sophistes – Politikos

Georgia Herrchen M.A.; PD Dr. Dr. Stefan Seit

Kurzname: PS/HS Platon
Kursnummer: 05.127.035

Voraussetzungen / Organisatorisches

ALLGEMEINE Hinweise zur Durchführung der Veranstaltungen im Bereich Ältere Philosophiegeschichte

Auch im SoSe 2021 werden wegen der COVID-19-Pandemie Lehrveranstaltungen nur in Ausnahmefällen „vor Ort" auf dem Campus der JGU stattfinden können. Um unter diesen Umständen ein qualitativ hochwertiges Lehrangebot bereitstellen und eine intensive Betreuung gewährleisten zu können, hat der Arbeitsbereich Ältere Philosophiegeschichte sein Veranstaltungskonzept angepasst: Die Veranstaltungen wurden zahlenmäßig reduziert, werden dafür aber (mit Ausnahme der Vorlesung) jeweils von mehreren Lehrenden gemeinsam betreut und intern unterteilt werden.

Alle Veranstaltungen des Arbeitsbereichs finden als digitale Präsenzveranstaltungen, d.h. synchron zu den angegebenen Zeiten statt. Video-Aufzeichnungen stellen sicher, dass Sie auch unter ungünstigen technischen Voraussetzungen aktiv teilnehmen können.

Videokonferenzen, Aufzeichnungen und Aufgaben, die Sie in freier Zeiteinteilung bearbeiten können, werden über Moodle-Kurse koordiniert werden, zu denen die über Jogustine angemeldeten Studierenden automatisch Zugang haben. Bitte machen Sie sich möglichst vor dem ersten Veranstaltungstermin mit dem Moodle-Kurs und den dort angebotenen Materialien und Hinweisen vertraut. Stellen Sie außerdem sicher, dass Sie über Ihr universitäres Mailkonto ohne Verzögerung erreichbar sind.

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ACHTUNG:
Sollten Sie mehrere Seminare aus dem Bereich der Philosophie der Antike und des Mittelalters belegen wollen, bieten wir Ihnen drei Proseminare (als PS/HS bzw. PS/HS/OS), vier Hauptseminare (die PS/HS sowie zwei HS/OS) sowie drei Oberseminare an (die HS/OS und ein Kolloquium, das zugleich als Oberseminar geöffnet ist).

Sollte es wegen der Mehrfachzuordnung der Veranstaltungen Probleme geben, können diese individuell gelöst werden; wenden Sie sich dazu an lehre-aephg@uni-mainz.de. Hier erhalten Sie auch Hilfe bei Schwierigkeiten mit unseren Moodle-Kursen. Bitte erleichtern Sie uns die Arbeit, indem Sie solche organisatorisch-technischen Fragen nicht an die persönlichen Mailadressen der Dozierenden richten. Alle Dozierenden des Arbeitsbereichs haben Zugriff auf die genannte Funktionsmailbox.

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SPEZIFISCHE Hinweise zur Veranstaltung

Keine besonderen Voraussetzungen; insbesondere werden Kenntnisse der griechischen bzw. lateinischen Sprache nicht vorausgesetzt.

Im Zentrum steht die intensive gemeinsame Arbeit an den Quellentexten. Im Rahmen der technischen und organisatorischen Möglichkeiten können und sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Kurzreferate übernehmen.

Die Veranstaltung ist für Studienanfänger*innen in besonderer Weise geeignet und trägt namentlich den Anforderungen der lehramtsbezogenen Studiengänge Rechnung.

Inhalt

Während Aristoteles, womöglich nicht völlig zu Recht – man vergleiche dazu das Seminar „Hauptprobleme der Metaphysik" –, als Erfinder einer streng gegenstandsbezogenen Einteilung der Philosophie in Teildisziplinen gilt, findet sich bei seinem Lehrer Platon trotz thematischer Akzentsetzungen in praktisch jedem Dialog alles. Die Bögen, die Platon – Sokrates, der in Platons Dialogen auftritt – schlägt, sind oftmals überraschend, wenn sie nicht sogar einigermaßen beliebig wirken. Dieses Problem (wenn es sich denn um ein Problem handelt) wird dort noch größer, wo Dialoge mit ihren jeweiligen Schwerpunktsetzungen zwar – irgendwie – in sich abgeschlossen sind, aber doch einen übergreifenden Komplex bilden.

So motiviert der „Timaios", in dessen Mittelpunkt ein Schöpfungsmythos, also eine naturphilosophisch-metaphysische Thematik, steht, die Einführung dieses Gegenstandes mit einem anthropologischen Interesse, das wiederum im Zusammenhang mit „politischen" Fragen steht, die schon in einem vorhergehenden Gespräch behandelt worden seien; ob es sich dabei um die „Politeia" handelt, ist freilich in der Forschung umstritten, während der an den „Timaios" anschließende „Kritias" Fragment ist.

Im Fall von „Theaitetos", „Sophistes" und „Politikos" ist jedoch völlig klar, dass die drei Dialoge zusammengehören: Die Personenkonstellationen sind (teilweise) identisch; Sokrates bedankt sich am Beginn des „Politikos" bei Theodoros, der ebenfalls an allen drei Gesprächen teilnimmt, ihm die Bekanntschaft des Theaitetos vermittelt zu haben, der nicht nur an dem nach ihm benannten Gespräch, sondern auch am „Sophistes" teilgenommen hat, an dessen Beginn wiederum auf das „gestern" – eben im „Theaitetos" – geführte Gespräch zurückverwiesen wird. Um so erstaunlicher ist die Vielfalt der behandelten Themen: Im „Theaitetos" geht es im Großen und Ganzen um die Frage, was ‚Wissen‘ sei; in diesen ersten großen wissens- bzw. wissenschaftstheoretischen Text, der viele später wichtig gewordene Fragen und Thesen vorwegnimmt, ist jedoch ein Exkurs eingefügt, in „der Philosoph" (noch naheliegend) im Verhältnis zur Polis thematisiert wird – sowie die Frage, ob und mit welchen Konsequenzen ein sophistischer Relativismus durchgehalten werden kann, wenn zentrale normative Begriffe (‚gerecht‘, ‚heilig‘) zur Diskussion stehen.

Dies scheint im „Sophistes" wiederaufgenommen zu werden, wo zunächst der Versuch unternommen wird, ‚Sophist‘ bzw. ‚Sophistik‘ zu definieren: Wenn ‚Sophistik‘ eine Kunstfertigkeit ist, was ist dann der spezifische Gegenstand, mit dem sich der Sophist auskennt? Aus dieser Frage ergibt sich die nach dem ‚Seienden‘ im Gegensatz zum ‚Nichtseienden‘, also ein zentrales Thema der (späteren) Metaphysik. Im Dialog „Politikos" wiederum wird das zuvor bereits praktizierte Definitionsverfahren auf den Staatsmann und die Staatskunst angewandt und die Platon immer wieder umtreibende Frage diskutiert, was man wissen und können, worin man Fach- bzw. Sachkunde haben muss, um ein (guter) Staatsmann sein zu können. Im Rückblick erhält so die ausgesprochen theoretische Frage nach dem ‚Wissen‘ im „Theaitetos" eine ungemein praktische Motivation.

Ziel des Seminars ist naheliegenderweise die Rekonstruktion einiger zentraler Theoriestücke der Philosophie Platons in dessen späterer Werkphase. Darüber hinaus soll es aber auch um die Frage nach der inneren Logik einer Philosophie gehen, in der diese Themen gleichsam „kreuz und quer" miteinander verbunden sind, sowie – nicht zuletzt – um die Bedeutung der literarischen Form(en) für das platonische Philosophieren.

Empfohlene Literatur

Bitte beschaffen Sie sich vor der ersten Sitzung:

Platon: Theätet. Griechisch/Deutsch. Übersetzt und herausgegeben von Ekkehard Martens. Stuttgart 2012 (RUB 6338, EUR 7,80), oder eine andere zweisprachige Ausgabe – auch dann, wenn Sie keine Kenntnisse der griechischen Sprache haben!

Weiteres wird im Laufe des Semesters zur Verfügung gestellt.

Zusätzliche Informationen

In den Studiengängen Katholische Theologie Magister/Magistra theologiae (Modul 5) und Katholische Theologie B.A. Beifach (Modul B6) kann diese Veranstaltung mit benoteter Studienleistung (Hausarbeit) als Proseminar, ohne benotete Studienleistung als Übung belegt werden. Bitte beachten Sie diese Unterscheidung bei der Lehrveranstaltungs- und Prüfungsanmeldung. Davon bleibt unberührt, dass auch im Rahmen der aktiven Teilnahme an einer Übung einzelne (unbenotete) Leistungen (Kurzreferat, Protokoll etc.) gefordert werden können.

Es wird erwartet, dass in Modul 5 mindestens einmal das Proseminar zur Vorlesung (als Proseminar oder Übung) belegt wird.

Termine:

Datum (Wochentag)UhrzeitOrt
14.04.2021 (Mittwoch)16.15 - 17.45 UhrOnline
21.04.2021 (Mittwoch)16.15 - 17.45 UhrOnline
28.04.2021 (Mittwoch)16.15 - 17.45 UhrOnline
05.05.2021 (Mittwoch)16.15 - 17.45 UhrOnline
12.05.2021 (Mittwoch)16.15 - 17.45 UhrOnline
19.05.2021 (Mittwoch)16.15 - 17.45 UhrOnline
26.05.2021 (Mittwoch)16.15 - 17.45 UhrOnline
02.06.2021 (Mittwoch)16.15 - 17.45 UhrOnline
09.06.2021 (Mittwoch)16.15 - 17.45 UhrOnline
16.06.2021 (Mittwoch)16.15 - 17.45 UhrOnline
23.06.2021 (Mittwoch)16.15 - 17.45 UhrOnline
30.06.2021 (Mittwoch)16.15 - 17.45 UhrOnline
07.07.2021 (Mittwoch)16.15 - 17.45 UhrOnline
14.07.2021 (Mittwoch)16.15 - 17.45 UhrOnline

Semester: SoSe 2021