Dr. Wanja Wiese

Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arbeitsbereich Theoretische Philosophie
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Philosophisches Seminar
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
D-55099 Mainz

Sprechstunde in der vorlesungsfreien Zeit nach Vereinbarung per E-Mail.

(OS) Mechanistische Theorien (des Geistes): von Hume und Herbart zur New Mechanical Philosophy

Dr. Wanja Wiese

Kurzname: OS Mechanist. Th.
Kursnummer: 05.127.430

Inhalt

René Descartes (1596-1650) beschrieb lebende Organismen als Maschinen, die in einigen Fällen (wie beim Menschen) von einer nicht-ausgedehnten Substanz beseelt werden. Die Seele des Menschen gibt ihm die Fähigkeit zum Denken. Die vermeintlichen geistigen Fähigkeiten von unbeseelten Wesen hingegen lassen sich laut Descartes auf die physikalische Struktur dieser Wesen und deren Mechanik zurückführen. David Hume (1711-1776) ging einen Schritt weiter: Wenn sich intelligentes Verhalten bei Tieren als Lernen durch Erfahrung und Gewohnheit verstehen lässt, dann ist anzunehmen, dass ähnliches Verhalten bei Menschen auch nicht auf Denken und Schlussfolgern beruht. Dies lässt jedoch offen, dass zumindest höhere geistige Fähigkeiten auf rationales Denken zurückzuführen sind. Julien Offray de La Mettrie (1709-1751) hingegen beschrieb den gesamten Körper als Maschine, und die Seele als Teil (oder „Bewegungsprinzip“) von ihr. Etwas vorsichtiger beschrieb Johann Friedrich Herbart (1776-1841) die Vision, analog zur Newton’schen Mechanik eine Mechanik des Geistes zu entwickeln, mit der sich die Statik und die Bewegung geistiger Vorstellungen erfassen lassen.

Im Seminar werden wir diese und andere mechanistische Auffassungen anhand einschlägiger Texte untersuchen und vergleichen. Dabei geht es vor allem um folgende Fragen:

·        Worauf bezieht sich die jeweilige mechanistische Beschreibung?

·        Welche Rolle hat diese Beschreibung für das Verständnis geistiger Fähigkeiten?

·        Wie haben sich mechanistische Theorien im Laufe der Zeit verändert?

Zur Beantwortung der letzten Frage werden wir uns auch mit Texten zur „neuen mechanistischen Philosophie“ auseinandersetzen (einer aktuellen Strömung in der Wissenschaftsphilosophie).

Systematisch beschäftigt sich das Oberseminar vor allem mit Problemen der Philosophie des Geistes. Historisch geht das Seminar v.a. auf philosophische Positionen des 17.-19. Jahrhunderts ein.

Wer aktiv am Seminar teilnimmt, gewinnt

-        einen Einblick in Grundprobleme der Philosophie des Geistes (v.a. das Leib-Seele-Problem);

-        einen Überblick über einige historische mechanistische Positionen und deren Verhältnis zum Leib-Seele-Problem;

-        einen Einblick in aktuellere Forschung zu mechanistischen Theorien (ohne direkten Bezug zum Leib-Seele-Problem).

Voraussetzungen / Organisatorisches

Voraussetzung für die Teilnahme sind die Fähigkeit und die Bereitschaft, auch englische Texte zu lesen. Die aktive Teilnahme am Seminar schließt folgendes mit ein:

  1. Sie lesen für jede Sitzung die im Seminarplan angegebene Pflichtlektüre.
  2. Sie führen regelmäßig zusätzliche schriftliche Arbeitsaufträge durch (wie z.B. Thesenpapiere, Stundenprotokolle und schriftliche Stellungnahmen).

Weitere Details werden zur aktiven Teilnahme werden zu Beginn der Vorlesungszeit im Seminar bekannt gegeben.
Die Prüfung erfolgt durch Referat mit Ausarbeitung oder Hausarbeit.

Termine:

Datum (Wochentag)UhrzeitOrt
16.04.2019 (Dienstag)12.15 - 13.45 Uhr01 451 P106
1141 - Philosophisches Seminargebäude
23.04.2019 (Dienstag)12.15 - 13.45 Uhr01 451 P106
1141 - Philosophisches Seminargebäude
30.04.2019 (Dienstag)12.15 - 13.45 Uhr01 451 P106
1141 - Philosophisches Seminargebäude
07.05.2019 (Dienstag)12.15 - 13.45 Uhr01 451 P106
1141 - Philosophisches Seminargebäude
14.05.2019 (Dienstag)12.15 - 13.45 Uhr01 451 P106
1141 - Philosophisches Seminargebäude
21.05.2019 (Dienstag)12.15 - 13.45 Uhr01 451 P106
1141 - Philosophisches Seminargebäude
28.05.2019 (Dienstag)12.15 - 13.45 Uhr01 451 P106
1141 - Philosophisches Seminargebäude
04.06.2019 (Dienstag)12.15 - 13.45 Uhr01 451 P106
1141 - Philosophisches Seminargebäude
11.06.2019 (Dienstag)12.15 - 13.45 Uhr01 451 P106
1141 - Philosophisches Seminargebäude
18.06.2019 (Dienstag)12.15 - 13.45 Uhr01 451 P106
1141 - Philosophisches Seminargebäude
25.06.2019 (Dienstag)12.15 - 13.45 Uhr01 451 P106
1141 - Philosophisches Seminargebäude
02.07.2019 (Dienstag)12.15 - 13.45 Uhr01 451 P106
1141 - Philosophisches Seminargebäude
09.07.2019 (Dienstag)12.15 - 13.45 Uhr01 451 P106
1141 - Philosophisches Seminargebäude

Semester: WiSe 2019/20

Forschungsschwerpunkte

  • Philosophie des Geistes, besonders: phänomenales Bewusstsein und mentale Repräsentation.
  • Philosophie der Kognitionswissenschaft, besonders: kognitive Grundlagen von Handeln und Wissen, philosophische Implikationen von predictive processing.
  • Wertetheorie, besonders: Valenzen bewusster Erlebnisse, Konflikte zwischen instrumentellen und epistemischen Werten.

Projekte und Tätigkeiten